the free vivi, Poetin und Autorin für zeitgenössische Lyrik
the free vivi

Ich bin ganz allein auf dieser Welt

Ich bin ganz allein auf dieser Welt, kann tun und lassen, was mir gefällt. Mein Leben gehört nur mir allein fühlt sich komisch an – irgendwie einsam... Natürlich auf gewisse Weise befreiend, aber ebenso bedrohlich, ein kleiner Wahnsinn.

Kann mich tattoowieren lassen, den Job kündigen, nachts um drei noch tanzen, obwohl ich krankgeschrieben bin. Das geht keinen was an. Es hat für niemanden sonst Auswirkungen.

Ich bin dran. Ich bin die fucking Kapitänin.

Und trotzdem fühlt es sich komisch an... So beängstigend. Ich bin ein kleines Kind, das auf die ganze Welt aufpasst durch Angst darauf getrimmt, bei jedem Mal verkack‘n, den eigenen Wert eine Stufe runter sacken zu lassen.

(Ich bin) Ich bin am Fliegen und am Fallen gleichzeitig. Dabei sehe ich die Welt unter mir an und weiß eigentlich, dass ich schreien und Spaß haben sollte.

Das Problem dabei ist, ich falle. Ich weiß nicht, wo ich ankomme.

Und würde am liebsten jemanden um Rat fragen, jemanden der weiß, wie dieses Leben funktioniert, eine fiktive Person, aber sie wird es uns sagen, mit einer Gewissheit, dabei niemals zu verlier‘n.

Aber kein Mensch dieser Erde weiß, wie es richtig geht. Wir alle sind nur am beweis‘n, wie wenig wir versteh‘n. Auf lächerliche Weise verstecken wir unsere Unsicherheit vor dem Leben.

Hilflos. Einsam. Klein. Verängstigt. Unerfahren. Unsicherheit. Wie die erste Autofahrt im Dunkeln – nur komplett allein.

Jeder kleine Fehltritt bekommt vom Schicksal eine harte Lektion erteilt. Und ich muss aufpassen, auf mich und mein Sein. Auf mein Wesen, meine Psyche, sie darf nicht wissen, wie groß diese Last ist. Sonst fühl ich mich wie eine Verrückte, die die ganze Zeit das Gaspedal durchtritt.

Nur ich allein lebe mit den Konsequenzen. Mit dem Pech, aber auch mit den Schätzen, die ich durch meine Entscheidungen gewinne, sie tauchen immer wieder auf – an dem Berg, den ich erklimme, hin zu meinem persönlichen, unperfekten Ich.

Allein und verängstigt, aber genauso mutig. Genauso willensstark und charismatisch. Das, verdammte Scheiße, bin ich!

Mein Leben ist ein riesiges Chaos, voller unverarbeitetem, nicht weggeräumten Rotz Ich sehe ihn mir an, frage mich dann, Wann... ist es soweit, dass ich ihn endlich wegräume, mein Leben in den Griff bekomme? Werde ich nicht jämmerlich verenden? Wie diese Wale an diesen Stränden.

Ob sie sich auch fragen, was sie im Leben falsch gemacht haben?

Liebster Wal, du bist der letzte, der sich falsch verhielt. Du bist leider nur ein trauriges Ergebnis, eine Konsequenz aus dieser viel zu kaputten Welt. Ich weiß, das klingt wie Beschiss... aber das ist die harte Realität.

Und da fragt man sich: Wofür? Wenn nicht einmal das größte Tier dieser gottverdammten Erde es schafft, etwas sinnvolles zu werden.

Die Antwort darauf befindet sich leider nicht in diesem bescheuerten Gedicht.

Suche nicht nach ihr. Es ist einfacher so, glaub mir.

Aber ich werde mir dennoch den Kopf zerficken. Über jeden Scheiß, in den ich mich rein verstricke...

Jeder Tag ist ein neuer Tag der Mühe, dieses Kopfgeficke so zu reduzieren, dass ich es aushalte.

Mein Leben lebe, lache, lächle, Rechnungen bezahle und meinen Spaß habe.

Ich atme, bin, existiere, lebe dieses Leben.

Ich gehe, fliege, falle und bin wieder am Aufstehen. Genauso wie jeder andere, so wie es ihm und ihr gefällt. Und alle sind sie ganz allein auf dieser Welt.

Poetin the free vivi

© Bild: the free vivi