Aufmerksamkeitsgeil
Dieses Gedicht ist für alle, die über andere lästern, und zwar mit dem Begriff… Aufmerksamkeitsgeil…
Als ich dieses Wort das letzte Mal in meinen Mund nahm, und zwar um Lästerei über eine andere Frau zu betreiben, war ich in der Pubertät und hatte noch zu viel Scham, für all das, was diese Frau ausstrahlt. Nämlich Nonchalance und Selbstbewusstsein Ausstrahlung, Witz und ihre unnahbare Extrovertiertheit.
Aufmerksamkeitsgeil…
Dieses Wort ist nicht nur in seiner inhaltlichen Anwendung hässlich. Denn die Aneinanderreihung der Buchstaben ist schon grässlich und erscheint in ihrer Gesamtheit viel zu primitiv, als dass sie aus dem Mund eines reflektierten Menschen fließt.
Aufmerksamkeitsgeil…
Was ich damit sagen will, ist: allein die Anwendung des Wortes zeigt, auf welcher Weise du eigentlich mit dir selbst verbleibst, dich versteckst hinter der Fassade gesellschaftlicher Normen. Die dich zu dieser Parade zwingen und dich zu etwas formen, das einfach nicht dir und deinem Wesen entspricht. Aber das alles siehst du leider nicht.
Zu sehr gefangen bist du in jenem Höhlengleichnis, das bereits Platon verzeichnete. Du weißt schon: So, wie jene, die nur die Schatten sehen, an der Wand der Höhle, und die sie dann als ihre Realität verstehen. Und nicht einmal den Gedanken wagen, aus dieser Höhle zu treten, die Schatten zu hinterfragen und endlich den eigenen Weg zu gehen.
Das alles siehst du in mir. Und nennst mich aufmerksamkeitsgeil. Und jetzt schau zu dir und frag dich: Will ich wirklich so sein?