the free vivi, Poetin und Autorin für zeitgenössische Lyrik
the free vivi

© Bild: @basti_frad

Gut, schade...

Ich tanze auf der Straße, zu Musik der niemand sonst lauscht, dabei singe ich alles mit, ohne dabei Scham aufzubauen.

Und ich spreche gerne über meinen Scheiß, obwohl ich mich damit nicht sympathisier. weil ich ganz genau weiß: dadurch, dass ich das alles reflektier – auch aus anderen Perspektiven – komm ich der Heilung einen Schritt näher. Während ich immer mehr davon spür, dass ich mich von einem gewissen Typus entfern.

Er heißt Gesellschaft und will mich ständig belehrn, über Liebe und Hass, aber nicht nur das.

Und da bin ich – mittendrin und führe dieses schöne Leben, im Moment. Nie davon zu träumen gewagt und die große Angst, dass das nicht lange anhält.

Und ich bin mich ständig am fragen, wann die rosarote Brille wohl abfällt. Vorher war doch noch alles so grau. Jetzt leuchtet die Welt im Himmelblau und vielleicht geht das Licht auch gleich wieder aus.

Schnell! Genieß es! Nimm alles mit! Ich spüre es, gleich ist es wieder weg! Shit!

Ist es schon passiert? Ward ihr alle schon hier? Falle ich wieder in dieses Loch? Alles dunkel und vermockt? Viel zu leise – und viel zu laut! Aber auch so gemütlich verraucht...

Hier fällt leichter Regen auf mich herab. Er streichelt mein Wesen und ich bemerke dieses Blatt. Langsam formt sich dort das darauf gefallene Wasser. Es bildet sich zu einem großen Tropfen und landet auf dem Gras da, vor mir und ich bin nicht nur darauf am Hoffen, dass das Grün dadurch satt wird.

Sondern dass ich mich durch all das nicht wieder abschirm, um dann vielleicht doch endlich den Verstand zu verlieren, aber vielleicht muss das ja passier’n, damit ich mich von meinem ungeheilten Ich verabschiede und das Leben vielleicht einfach mal so lebe, als würden mich nicht nur Trottel umgeben, die die Dämonen der Welt einfach nicht verstehen.

Sie nehmen sie vielleicht wahr, aber ohne den Abgrund zu sehen. Sie lassen die Erde sich einfach weiterdrehen. Und ich bin mittendrin. Stehe daneben und frage mich, wann ich endlich glücklich werde...

Gut, schade... – Künstlerische Darstellung

© Bild: @basti_frad